Rudolf Knosp

Auch Rudolf Knosp ist hauptsächlich wegen seiner gemeinsam mit seiner Frau Sophie gemachten Stiftung, der Rudolf-Sophien-Stiftung, breiten Kreisen der Öffentlichkeit in Erinnerung geblieben. Diese Stiftung wird heute in der Rechtsform einer Gemeinnützigen GmbH als Rehabilitationszentrum Rudolf-Sophien-Stift geführt.

Rudolf Knosp zählt zu den Pionieren der Industrialisierung in Stuttgart im 19. Jahr-hundert. Am 26. März 1997 wurde seines 100. Todestages gedacht. Der 1820 als Sohn eines königlichen Kammerdieners in Ludwigsburg geborene Rudolf Knosp eröffnete 1845 in Cannstatt eine kleine Fabrik, die auf die Herstellung von Farben spezialisiert war. Schon ein Jahr späterverließ er die Bäderstadt wieder und ließ sich in der Rotebühlstraße nahe demFeuersee nieder. Durch neue Fabrikationsmethoden gewann Knosp bald eine führende Stellung im Bereich der Teerfarbenproduktion, die allerdings auf Dauer gefährdet war durch den Aufstieg der 1864gegründeten Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (BASF). Knosp verzichtete schließlich auf seine Selbständigkeit und fusionierte 1873 mit dem Stuttgarter Unternehmen Gustav Siegle und der BASF. Er übernahm das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der BASF, eine Stellung, die er 24 Jahre lang bis zu seinem Tode bekleidete.

Rudolf Knosp war nicht nur ein führender Unternehmer. Er engagierte sich auch im politischen Bereich. 1868 wurde er in das Deutsche Zollparlament gewählt. Von 1865 bis 1871 gehörte er, der sich der Württembergischen Volkspartei angeschlossen hatte, dem Stuttgarter Gemeinderat an. Seine vielfältigen Aktivitäten im sozialen Bereich können hier nicht im einzelnen geschildert werden. Am bedeutendsten und in die Zukunft weisend war seine mit einem Kapital von 2 Millionen Goldmark ausgestattete Stiftungzur Errichtung eines „Rekonvaleszenten-Spitals“ für Kranke, „die zwar alsgeheilt, aber noch nicht vollkommen wieder gekräftigt aus ärztlicher Pflege entlassen sind“. Die Stiftung war an die Bedingunggeknüpft, dass die Stadt Stuttgart den Baugrund für diese Einrichtung zur Verfügung stellte. Die Stiftung sollte von einer Kommission verwaltet werden, welcher der Innenminister bzw. ein von ihm ernannter Rat, der Oberbürgermeister bzw. dessen Stellvertreter sowie der Chefarzt der Inneren
Abteilung des Katharinenhospitals angehörten.

Die Erbauung des Rudolf-Sophien-Stiftes zog sich in die Länge. Es wurde am 1. August 1914, am Tage des Kriegsausbruchs, eingeweiht und übernahm sofort die Funktion eines Lazaretts. In der Inflation geriet das Heim in eine schwere Finanzkrise. Zeitweise drohte die Schließung des Hauses. Es folgte die Verpachtung an die Deutsche Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime. Im Zweiten Weltkrieg waren im Rudolf-Sophien-Stift Dienststellen der Luftwaffe untergebracht. Auch nach 1945 blieb das Haus lange Zeit zweckentfremdet.
Da die Amerikaner 1945 das Krankenhaus Cannstatt beschlagnahmten, wurde dessen medizinische Abteilung provisorisch in das Rudolf-Sophien-Stift verlegt. Dieses Provisorium sollte über 25 Jahre dauern.